Warum so spät erst, Georgine?
Das Rosenmärchen ist erzählt,
und honigsatt hat sich die Biene
ihr Bett zum Schlummer ausgewählt.
Sind nicht zu kalt dir diese Nächte?
Wie lebst du diese Tage hin?
Wenn ich dir jetzt den Frühling brächte,
du feuergelbe Träumerin,
wenn ich mit Maitau dich benetzte,
begöße dich mit Junilicht,
doch dann wärst du nicht die Letzte,
die stolze Einzige auch nicht.
Wie, Träumerin, lock' ich vergebens?
So reich' mir schwesterlich die Hand,
ich hab' den dieses Lebens
wie du den Frühling nicht gekannt;
und spät wie dir, du Feuergelbe,
stahl sich die Liebe Herz;
ob spät, ob früh, es ist dasselbe
Entzücken derselbe Schmerz.
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Dahlien-Gedicht Nr.3 (von Friedrich Rückert)
Kehr ein bei mir!
Du bist die Ruh,
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du,
Und was sie stillt.
Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.
Kehr ein bei mir,
Und schliesse du
Still hinter dir
Die Pforten zu.
Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.
Dies Augenzelt
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz.
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Dahlien-Gedicht Nr.4 (von Elisabeth Kulmann (1808 - 1825))
Die letzten Blumen starben!
Längst sank die Königin
Der warmen Sommermonde,
Die holde Rose hin!
Du, hehre Georgine,
Erhebst nicht mehr dein Haupt!
Selbst meine hohe Pappel
Sah ich schon halb entlaubt.
Bin ich doch weder Pappel,
Noch Rose, zart und schlank;
Warum soll ich nicht sinken,
Da selbst die Rose sank?
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Dahlien-Gedicht Nr.5 (von Anil, Klasse 2b, Froebel-Schule, Kiel)
November sagt: Noch ists nicht genug,
ich nehme dem Garten den letzten Schmuck,
es blüht Georgine und Aster zu kühn-
die letzte Blüte, das letzte Grün
soll jetzt sich entfärben
Und sterben.
Der Gärtner spricht mit fröhlichem Sinn:
Du harter November nimmst immer hin!
Ich habe gesorgt schon treu und gut,
und was jetzt still in der Erde ruht,
das wird bei des Lenzes Wehen
entstehen!
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